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Forschung in der Homöopathie – dem Wirkmechanismus auf der Spur

So alt wie die Homöopathie ist der Vorwurf, man könne ja gleich einen Tropfen Urtinktur in den Bodensee geben. Der Vergleich hinkt, denn noch niemand hat den Bodensee auch verschüttelt ... Rechnerisch ist in einer Potenz oberhalb der D 23 oder der C 12 kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr zu finden und genau das ist der Punkt, an dem die Kritiker der Methode ansetzen. Das homöopathische Arzneimittel wirksam sind, ist in zahllosen Fällen seit über 200 Jahren belegt. Auch, dass gerade Hochpotenzen sehr kraftvolle, lang wirkende Mittel sind, im Gegensatz zu den Tiefpotenzen, die im akuten Fall zum Einsatz kommen und schnell einen Impuls zur Heilung setzen müssen. Doch Einzelfallbeschreibungen – und seien es noch so viele – haben wissenschaftlich nur einen geringen Stellenwert, da sie nicht wiederholbar sind und auch der identische Vergleichsfall fehlt. Warum homöopathische Arzneimittel heilen, darüber gibt es bislang nur Theorien. Das sie es tun, ist wissenschaftlich jedoch belegt. Größere Studien – zum Beispiel des Wissenschaftlers Klaus Linde von der Universität München - belegen eindeutig, dass die Wirksamkeit eines homöopathischen Arzneimittels deutlich höher ist, als die eines Placebos.
Es gibt verschiedene Ansätze in der Forschung, die mal mehr und mal weniger Nutzen für die Homöopathie als Therapiemethode haben, da nicht in jedem Ansatz auf die Besonderheiten der Methode eingegangen wird. Da Forschung an den Hochschulen nicht statt findet und es staatliche Unterstützung kaum gibt, hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) im Jahre 2001 das Europäische Institut für Homöopathie (InHom, www.homeopathie-stiftung.de) in Köthen / Anhalt gegründet. Von dort wird Homöopathie-Forschung organisiert und koordiniert und über die Homöopathie-Stiftung werden Gelder gesammelt, um die Homöopathie als moderne und zeitgemäße Medizinrichtung voranzubringen.

Verschiedene Forschungsansätze

Mit Hilfe verschiedener Forschungsansätze wird versucht, die Geheimnisse der Homöopathie zu enträtseln - denn noch sind viele Fragen offen:

Die Rechtfertigungsforschung – die Methode auf dem Prüfstand
Die Homöopathie gehört laut Sozialgesetzbuch V (SGB V) zu den Besonderen Therapiemethoden. Sie hat dadurch zwar einen speziellen Status in der Vielzahl der Therapierichtungen, bleibt aber aus der Sicht der vorherrschenden, naturwissenschaftlich-orientierten Schulmedizin trotzdem eine Außenseitermethode. Deshalb wird in der Rechtfertigungsforschung nicht ein bestimmtes Medikament oder ein Krankheitsbild erforscht, sondern die gesamte Methode steht auf dem Prüfstand.
Nur wenn es mehreren Forschergruppen unabhängig voneinander gelingt zu zeigen, dass homöopathische Medikamente wirksamer sind als eine Placebo-Therapie, würde die Homöopathie von Schulmedizinern als wissenschaftlich nachgewiesen akzeptiert werden. Dies ist zwar schon mehrmals geschehen, die Kritik an der Homöopathie ändert sich inhaltlich aber nicht.
Wichtig ist diese Anerkennung zum Beispiel für eine vollständige Integration der Homöopathie in das System der gesetzlichen Krankenversicherung, für die Etablierung an den Hochschulen und damit auch der Zugang zu Forschungsgeldern.

Schulmedizinisches Design für die Homöopathie-Forschung?
(Grundlagenforschung und klinische Forschung)

Während sich die Grundlagenforschung damit beschäftigt, das Wirkprinzip der Homöopathie zu entschlüsseln, geht es in der klinischen Forschung um den Nachweis ihrer Wirksamkeit mit den Spielregeln der Schulmedizin. Die gängige und für die Naturwissenschaft einzige Methode dazu ist die Durchführung von placebo-kontrollierten, doppelblinden Studien. Dabei werden die Patienten nach einem Zufallsprinzip einer homöopathischen oder einer Placebo-Therapie zugewiesen. Weder Patienten noch Untersucher wissen, welcher Gruppe ein bestimmter Patient jeweils angehört.
Die Frage ist, ob sich das Design einer schulmedizinischen Doppelblindstudie auf die homöopathische Therapie übertragen lässt. Schließlich soll in diesen Untersuchungen der Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments, das bei Hunderten von Patienten eingesetzt wird, erbracht werden. Ein Vorgehen, das der individuellen Arzneimittelfindung in der Homöopathie widerspricht. Der große Vorteil solcher teuren und aufwendigen Studien ist ihre wissenschaftliche Beweiskraft. Der große Nachteil liegt darin, dass hier eine Art der Behandlung vorliegt, die so in der Praxis nicht stattfindet. In der Homöopathie werden eben selten viele Patienten mit dem gleichen Medikament für eine umschriebene Erkrankung behandelt. Und so besitzen auch viele der positiv ausgefallenen Doppelblindstudien für den therapeutischen Alltag wenig Relevanz

Homöopathische Studien
Trotz dieser Schwierigkeiten hat es in den letzten Jahrzehnten mehr als hundert homöopathische Studien gegeben, die nach diesen Kriterien durchgeführt worden wurden. Um eine Übersicht über die Ergebnisse dieser Forschungen zu bekommen, wurde von einer Arbeitsgruppe um den Münchner Wissenschaftler Klaus Linde alle bis 1995 durchgeführten randomisierte Doppelblindstudien kritisch analysiert. Die Ergebnisse seiner Metaanalyse veröffentlichte Linde 1998 in der angesehenen britischen Fachzeitschrift Lancet und brachte damit die feste Bastion der Homöopathie-Kritiker nachhaltig ins Schwanken.
Sein Ergebnis: 67 Prozent der insgesamt 89 ausgewerteten Studien hatten ein positives Ergebnis für die Homöopathie gebracht. Die Hypothese, klinische Effekte der homöopathischen Therapie seien ausschließlich auf Placebowirkung zurückzuführen, konnte damit eindeutig widerlegt werden. Auch die heftigsten Kritiker mussten dieses Ergebnis akzeptieren. Der Linde-Studie wurde nicht nur eine methodisch und wissenschaftlich saubere Arbeit bescheinigt, sondern sie hatte auch den sogenannten publication bias berücksichtigt. Eine mögliche Verzerrung des Gesamtergebnisses durch Unterschlagung negativer Studien war somit ebenfalls ausgeschlossen.

Die Ergebnisforschung – Einzelfälle aus der Praxis

In der Ergebnisforschung wird sich mit den wichtigen Aspekten der Homöopathie im Praxisalltag beschäftigt. In der Regel sind es Einzelfalldarstellung – sogenannte Kasuistiken - die in der homöopathischen Fachpresse veröffentlicht werden. Beschrieben werden in der Regel erfolgreich verlaufende Heilungen unter ungewöhnlichen und schwierigen Umständen. Aus diesen zum Teil sehr detaillierten Schilderungen können homöopathische Therapeuten einen großen Nutzen für ihre eigene Praxis ziehen. Allerdings haben Kasuistiken keine wissenschaftliche Beweiskraft und werden von den Kritikern der Methode als Anekdoten belächelt. Sie geben auch kein realistisches Bild der Wirklichkeit wieder, da in der Regel nur die erfolgreich verlaufenden Behandlungen geschildert werden.

Evaluations-Studien – Forschung unter Praxisbedingungen

So genannte Evaluations-Studien werden beispielsweise von verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt, die während des Projekts die gesamten Kosten einer homöopathischen Behandlung übernehmen können. Diese Modellprojekte laufen fünf bis höchstens acht Jahre und liefern aussagekräftige Daten unter realen Praxis-Bedingungen über Patienten, Krankheitsbilder, Arzneimittelwahl mit Begründung, Höhe der Potenzen, Einschätzung des Heilungsverlaufes durch den Arzt oder die Ärztin und durch den Patienten. Diese Studien haben eine größere Praxisbedeutung als die Doppelblindstudien, die erhobenen Daten werden sorgfältig dokumentiert und ausgewertet. Nach dem Abschluss eines Projekts hat man ein sehr genaues Bild davon, welche Patienten unter welchen Umständen die Hilfe homöopathischer Ärzte aufsuchen, und vor allen Dingen, wie sie in der Praxis behandelt werden und welche Ergebnisse dabei zu erzielen sind. Und noch eine relevante Frage wird beantwortet: Was kostet eine homöopathische Behandlung beispielsweise einer Neurodermitis im Vergleich zu einer schulmedizinischen Therapie.
Überzeugende Ergebnisse beim Projekt der Innungskrankenkassen
Die Ergebnisse der sogenannten Evaluationsstudien werden mit viel größerem Interesse als die der klinischen Studien erwartet. Schließlich wird in ihnen der Therapieerfolg der homöopathischen Behandlung in der Praxis überprüft. Zum Beispiel liegen die Ergebnisse des Modellversuchs der Innungskrankenkasse Sachsen-Anhalts vor, die in den Jahren 1995 bis 2000 ein Modellprojekt durchgeführt haben. Hierbei wird der therapeutischer Nutzen, die Risiken und die Wirtschaftlichkeit der Homöopathie erforscht. Die Auswertung hat schließlich gezeigt, dass etwa 70 Prozent der teilnehmenden Patienten eine Verbesserung der Beschwerden festgestellt hatten, 60 Prozent der Patienten konnten die Behandlung erfolgreich beenden. Ein Ergebnis, das mit der Beurteilung der behandelnden Ärzte übereinstimmt. Über Nebenwirkungen konnten sechs Prozenten berichten, jedoch waren knapp 80 Prozent der Patienten mit der Homöopathie so zufrieden, dass sie sich wieder in eine homöopathischen Behandlung begeben würden. Denn diese Behandlung hatte eine erstaunliche langzeitwirkjung auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Studienteilnehmer. Das zeigte sich noch in einem anderen Bereich und dürfte Kassenvertreter und Sozialpolitiker freuen: Die Arbeitsunfähigkeitstage sind spürbar weniger geworden. An der Studie nahmen vor allem Patienten mit chronischem Erkrankungen wie Migräne, Neurodermitis, Asthma bronchiale und Nebenhöhlenentzündung teil, die alle schon verschiedene andere Therapieversuche hinter sich hatten.

Europäisches Institut für Homöopathie (InHom)

Die Förderung, Koordination und Durchführung von wissenschaftlicher Forschung in der Homöopathie ist erklärtes Ziel des Europäischen Instituts für Homöopathie (InHom) mit Sitz in Köthen (Anhalt).



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