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Logbucheinträge
Freitag, 2. Oktober 2009
 | | Die Bücher werden verladen | Mit der Schleppbarkasse Suhr und Consorten verließen wir den Hamburger Traditionsschiffhafen bei Elbkilometer 622 heute pünktlich um 11 Uhr mit auflaufendem Wasser. Schiffsführer Danny Hildebrand hatte schon 20 Minuten zuvor den 75 PS starken Motor aus dem Jahr 1930 mit vielen komplizierten Handgriffen gestartet. Zur Verabschiedung des historischen Bestands der homöopathischen Bibliothek Hamburg kamen viele Ärztinnen und Ärzte in den Hamburger Hafen. Viele halfen mit, beim Ab- und Aufladen der Kisten bei strömenden Regen. Alle 22 Kisten, insgesamt 800 Kilo, mussten etwa 100 Meter von der Straße bis zum Schiff herunter getragen werden. Pünktlich zur Abschiedsfeier endete der Regen. Es klarte zunehmend auf und während der Fahrt kam dann sogar die Sonne heraus. Böse Zungen sagen, dass sei immer so, egal in welche Himmelsrichtung man Hamburg verlässt.
Ziel der aus über 2.000 Büchern und Zeitschriften bestehenden wasserdicht verpackten Fracht, die von den DZVhÄ-Vorstandsmitgliedern Curt Kösters und Franziska Polzer-Foreman und Pressesprecher Christoph Trapp begleitet wird, ist die neue Europäische Bibliothek für Homöopathie in Köthen (Anhalt). Diese ist Teil des Projektes Homöopathie als Entwicklungskraft, mit dem sich die Stadt Köthen an der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2010 beteiligt. In diesem Logbuch wird die fünftägige Reise in Texten und Bildern dokumentiert. Die Fahrt der Barkasse führt zunächst über die Elbe, unterwegs haben Franziska Polzer-Foreman und Curt Kösters bereits das Steuer übernommen. In Geesthacht passieren wir um 15 Uhr bei Elbkilometer 586 die erste Schleuse und verlassen damit das Tidengewässer. Hier hatte Alfred Nobel einst eine Pulverfabrik. Dort erfand er das Dynamit. Ein wenig flussaufwärts steht heute am Elbe-Ufer das Kernkraftwerk Krümmel. In dieser Gegend erkranken vor allem sehr viele Kinder an Leukämie.
Bei Elbkilometer 573 verliessen wir die Elbe und fuhren in den Elbe-Seitenkanal ein. Beim Schiffshebewerk Scharnebeck wurde die Suhr und Consorten 38 Meter in die Höhe gehoben - ein beeinduckendes Erlebnis. Kurz hinter dem Hebewerk endete die erste Etappe, es ist 18:20, das Schiff liegt sicher an der Kaimauer.
Morgen geht es weiter in Richtung Mittellandkanal und nach Magdeburg. Das eigentliche Ziel, der Wissenschaftshafen, kann aufgrund des geringen Wasserstands der Elbe nicht erreicht werden. So legt die Suhr und Consorten am 7. Oktober um 11 Uhr im Magdeburger Hansehafen an. Auf der letzten Etappe sind mit an Bord der Minister für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt und Schirmherr der IBA 2010 Dr. Karl-Heinz Daehre und Prof. Philipp Oswalt (IBA Geschäftsführer). Gemeinsam mit Curt Kösters (Vorsitzender des DZVhÄ) übergeben sie die Bücher Kurt-Jürgen Zander (Oberbürgermeister von Köthen) und Prof. Helmut Weiß (Prorektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg). Auf einer Pressekonferenz an Bord des Schiffes werden unter anderem die neue Bibliothek und der erste Masterstudiengang Homöopathie Deutschlands vorgestellt, der von der Magdeburger Universität im kommenden Jahr eingerichtet wird. Im Anschluss an die Pressekonferenz werden die Bücher im LKW nach Köthen gebracht, die Eröffnung der Bibliothek findet am 9. Oktober statt.
Zum Fototagebuch vom 2. Oktober: der Abschied <+>
Abschied, 2. Oktober - 10 Uhr, Rede von Curt Kösters,
1. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ)
Samuel Hahnemann lebte 1799 in Altona und Hamburg, jedoch schrieb er sehr bald aus Mölln: „Hier will ich wieder an das Ruder meines kleinen Schiffleins der Schriftstellerei treten und nur beizu kurieren, was der Himmel beschert. Beinahe hätten mich die unerbittlichen, nur mächtige Fahrzeuge hebenden, niedrige Boote aber stürzenden Wogen des großen Hamburgs verschlungen. Gott sei Dank, der mich noch so eben an Land warf."...
Rede herunterladen <+>
Ansprache von Dr. Lucia Zekorn,
Vorsitzende des Fördervereins der Homöopathischen Bibliothek und ehemalige 1. Vorsitzende des DZVhÄ
Unsere „alten Bücher“ - unser historischer Buchbestand – geht auf Reisen – per Schiff. Noch angemessen langsam, sozusagen im Tempo der Bücher, wie sie über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte geschrieben wurden – als Informationen und Wissen noch in Tagen und Wochen bis Monaten oder gar Jahre per Bote von Ort zu Ort gelangten...
Ansprache von Dr, Lucia Zekorn herunterladen (pdf) <+>
Samstag, 3. Oktober
 | | Alles klar für die Nacht in Wahrenholz | Abfahrt am Hebewerk Scharnebeck bei Kanalkilometer 106 – 8:30 im Regen und bei starkem Wind. Im Laufe des Tages wird es wieder ruhiger, wenn auch weiterhin bedeckt. Wir schippern gemütlich durch den Elbe-Seitenkanal bei regem Schiffsverkehr. Da die Elbe in den Sommermonaten (und jetzt auch im Herbst) Niedrigwasser führt, ist die gesamte Elbeflotte auf den Kanälen unterwegs.
Heute ist Tag der Deutschen Einheit – 20 Jahre Wiedervereinigung
Unsere Reise führt uns von Hamburg nach Köthen, von den alten in die neuen Bundesländer. Die DDR war einer Staatsdoktrin des strikten Rationalismus verpflichtet. Die Vernunft soll das Gemeinwesen regieren. Die Welt ist berechenbar und planbar. Der planende Verstand wird möglichst zentral umgesetzt; der Einzelne ist unvernünftig und bedarf der Anleitung.
Letzten Endes wurzelt dieses Konzept in der Aufklärung. Ein Gegenbild dazu waren die vielgeschmähten deutschen Kleinstaaten des 18. Jahrhunderts. In Weimar, aber auch den Anhaltinischen Staaten wurde noch Toleranz, Pluralismus und Kultur unter Aufklärung verstanden. Der Wörlitzer Park gegründet von den Fürsten Anhalt-Dessau, war gestalterischer Ausdruck dieser Idee.
1821 fand Hahnemann in Anhalt-Köthen einen politischen und kulturellen Freiraum, in dem er sein neues Konzept von Medizin weiterentwickeln und verbreiten konnte. Dieses neue Konzept wurzelt ebenfalls in der Aufklärung, beruht auf einer phänomenologischen und individuellen Betrachtung der menschlichen Krankheiten.
In der DDR war die Homöopathie seitens der Obrigkeit eher verpönt. Die Mittel waren erhältlich, weil nachgefragt von der Bevölkerung, eine Ausbildung von Ärzten war aber nicht mehr möglich. Eine Einwohnerin von Köthen berichtete, wenn der alte Hausarzt ihren Kindern homöopathische Mittel verschrieb, empfahl er: „Sagen Sie in der Apotheke, es ist für den Hund; dann gibt es keinen Ärger mit dem Kreisrat.“
Dass Köthen wieder zu einem geistigen Zentrum der Homöopathie werden kann, ist der Wiedervereinigung geschuldet.
Bei hereinbrechender Dunkelheit legen wir in Wahrenholz an.
Sonntag, 4. Oktober
 | | Dr. Franziska Polzer-Foreman an Bord der Suhr und Consorten | Um 9:55 starten wir in Wahrenholz am Elbeseitenkanal bei Kanalkilometer 24. Über Nacht war der Wind relativ stürmisch. Wir hatten Sorge um unser Transparent auf dem Schiff. Am Morgen sehen wir mit Erleichterung, dass das dynamische System der Befestigung alle Böen abfedern konnte.
In den Mittellandkanal fahren wir um 12:10 bei Kanalkilometer 234 ein. Wir haben also 24 Kilometer in etwas über zwei Stunden zurückgelegt. Fußgänger und Jogger überholen wir. Fahrradfahrer ziehen mühelos an uns vorbei.
Insgesamt sind wir vier Tage unterwegs bis Magdeburg. Mit einem Lastwagen hätten wir die Strecke auch in einem Tag zurücklegen können. Was haben Zeit und Geduld mit dem Thema unserer Reise zu tun?
Bei Patienten hat die Homöopathie den Ruf, dass man Geduld haben müsse.
Bei akuten Erkrankungen trifft dass nicht zu. Wenn das Mittel passt, sieht man binnen weniger Stunden – nicht selten sogar in wenigen Minuten – einen Effekt.
Bei chronischen Erkrankungen wiederum braucht es Geduld. Das passende homöopathische Mittel setzt einen Prozess in Gang. Wie schnell dieser abläuft, welche Symptome unterwegs noch auftreten, ist nicht genau vorhersehbar. Der Zeitablauf wird vor allem vom Organismus bestimmt. Dies muss aufmerksam begleitet werden.
- Beim Steuern eines Schiffes ist das nicht anders. Das Ruder gibt einen Drehimpuls. Sobald das Schiff sich zu drehen beginnt, setzt sich die Bewegung weiter fort. Wenn der Impuls zu stark war, übersteuert man leicht. -
Zeit braucht auch die Anamnese, zwei Stunden im Schnitt bei chronischen Erkrankungen.
Langsamkeit hat etwas mit Bewahren und Beharrlichkeit zu tun.
Peter Sloterdijk (in seiner Festrede 1996 zum 200jährigen Bestehen der Homöopathie in der Frankfurter Paulskirche): „Üblicherweise haben sich Bewegungen von solch historischer Tiefe entweder konsolidiert oder von selbst erledigt. Beides lässt sich von der Homöopathie nicht sagen.“
Bewahrt hat sich die Homöopathie, weil sie in der Praxis funktioniert – nicht im etablierten Kanon der Medizin ist sie, weil der genaue Mechanismus der Arzneiwirkung bisher nicht nachvollziehbar ist.
Unsere Fahrt hat etwas damit zu tun. Gestartet sind wir im Traditionsschiffhafen in Hamburg. Unser ursprüngliches Ziel war der Wissenschaftshafen in Magdeburg. Das hat sich zufällig so entwickelt; darin spiegelt sich auch das Ziel der Fahrt – die Bewegung von einer Traditionsmedizin hin zu einer wissenschaftlichen Verankerung.
Mit der Universität Magdeburg wurde die Einrichtung eines Masterstudiengangs vereinbart. Dieser hat das Ziel einer guten Ausbildung homöopathischer Ärzte und die Erforschung der homöopathischen Praxis und ihrer besonderen Phänomene.
Nun führt die Elbe nicht genug Wasser (und der Wissenschaftshafen noch weniger), wir müssen also bereits einige Kilometer vorher im Hansehafen von Magdeburg anlegen.
Offensichtlich muss also noch etliches Wasser die Elbe hinunterfließen, bevor es uns gelingt, unser Ziel zu erreichen. Wir üben uns in Geduld und Beharrlichkeit.
Bei Kanalkilometer 246 erreichen wir um 14:10 die Autostadt Wolfsburg. Bravourös manövriert der Schiffsführer das 13 Meter lange Schiff beim Anlegen in dem engen Sportboothafen bei kräftigem Seitenwind.
Montag, 5. Oktober
 | | Im schrägen Zimmer ... | Heute bleibt das Schiff im Hafen – die Crew hat Landgang. Wir besuchen das Phaeno in Wolfsburg.
Es fällt auf, dass die moderne Wissenschaftsdarstellung sich wieder der Phänomenologie nähert. Das Phaeno ist ein Ausdruck davon.
Bei vielen Experimenten lässt sich nicht exakt voraussagen, was passiert. Chaotische Systeme bilden Muster, die Selbstähnlichkeit zeigen. Äolische Landschaften: „Der Wind verändert die Sandlandschaft, die Dünen wiederum beeinflussen den Strom des Windes.“ Chaotische Systeme, die sich selbst formen, sind faszinierend, beruhigend, haben eine eigene Ästhetik – in Wellen oder ins Feuer schauen. Chaotische Systeme schwingen sich ein, bilden in der Unberechenbarkeit ein Gleichgewicht, reagieren aber auch auf die kleinsten Einflüsse von außen.
Das gefühlte Gewicht einer kleinen Dose ist höher als das einer großen Dose, weil unser Verstand das Umgekehrte erwartet. Wenn die Hände in einem verschlossenen Kasten mit diffusen Berührungsreizen traktiert werden, wird das plötzlich unerträglich, wenn das mit Bildern von sich windenden Schlangen überblendet wird. Filme werden mit unterschiedlicher Musik unterlegt: Das Bild eines Messers begleitet von Trällern erweckt andere Assoziationen als wenn eine dramatische Sequenz gespielt wird. Die Subjektivität, der Beobachter formt die Wahrnehmung.
Auf Tuchfühlung: Der kleinstmögliche Raum, in dem sich zwei noch wohl fühlen ist ein gutes Maß der Beziehung dieser zwei Menschen.
Spannend auch: Mind-Ball, mit Gehirnströmen wird ein Ball bewegt, der Entspanntere gewinnt.
Mit einem senkrechten Spiegel zwischen den Händen scheint die rechte Hand sich zu bewegen, obwohl sich eigentlich die linke bewegt. Die amerikanischen Neurologen Vilayanur Ramachandran und Diane Rogers-Ramachandran von der Universität von Kalifornien in San Diego haben mit einer ähnlichen Konstruktion Patienten mit Phantomschmerz behandelt. Die Patienten hatten die Wahrnehmung, sie würden ihre amputierte Hand bewegen, dies linderte den Phantomschmerz.
Etwas Ähnliches: Parkinson Kranke, die krankheitsbedingt leise sprechen, spielt man laute Geräusche vor, sie sprechen lauter um wahrnehmbar zu sein.
Wir fragen uns, wo dieses Prinzip noch anzuwenden ist: Sinnesstörungen mit Sinnestäuschungen zu behandeln. Aus unserer Sicht ist das eine Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips.
Das Zeitgetriebe: Eine Abfolge von Zahnrädern, die ineinander greifen, jeweils mit einer Untersetzung: Das erste Zahnrad macht eine volle Umdrehung in 8 Sekunden, das zweite in 55 Sekunden, das dritte braucht ca. 7 Minuten, das vierte etwa 1 Stunde … das 14. Rad braucht bereits Billionen von Jahren. Die Bewegung wird nicht mehr wahrnehmbar, nicht mehr messbar, aber die Kraft steigt.
Ein weiterer Aspekt, der uns Parallelen zur Homöopathie bietet.
Weitere interessante Verbindungen zur Homöopathie: Die Phänomenologie ist Basis unserer Methode. Allerdings wäre es lohnend, sich über die Natur von Phänomenen weitere Gedanken zu machen; insbesondere auch über die Phänomene im Rahmen chaotischer Systeme, über Selbstähnlichkeit und Selbstorganisation.
Einer weiteres Experiment: Man soll mit voller Energie gegen eine gepolsterte Wand rennen. Dabei wird der Impuls gemessen. Bei dem Versuch des 1. Vorsitzenden des DZVhÄ dieses Experiment umzusetzen trat beim Losrennen mit einem fühlbaren Ruck ein Muskelfaserriss auf.
Wir halten fest:
1. Das Einrennen von Wänden ist keine gute Idee – ebenso wie das Einrennen von offenen Türen. Es kommt auf das rechte Maß an.
2. Curt Kösters war mit vollem Einsatz am Experimentieren.
Wir führen jetzt eine (n = 1) – Studie zur Wirkung von Rhus. tox. bei Muskelfaserrissen durch. Bisher hält der Proband die Wirkung noch nicht für überzeugend, wir berichten weiter.
Vielleicht wäre die Wirkung besser, wenn er nur mehr daran glauben würde…
Dienstag, 6. Oktober
 Um 8:40 bei Kanalkilometer 247 Abfahrt bei leichtem Nieselregen
Das Ufer wird zunehmend wilder, der Kontakt zur Zivilisation reißt allmählich ab. Die abweisenden Ufer lassen kein Anlegen mehr zu. Welche unbekannten Gefahren mögen sich in dem Gesträuch verbergen – welche seltsamen Pflanzen, unbekannten Tiere?
Von Einheimischen wird uns zugetragen: Die Fahrrinne sei in voller Breite gesperrt in wenigen Kilometern. – Ein Hinterhalt? Werden wir jemals wiederkehren von dieser Reise?
Unsere Vorräte reichen bei sparsamer Verwendung höchstens noch für zehn Tage. Dumpfe Trommelschläge dröhnen aus dem Urwald. Wir befahren das Gebiet der Neuen Bundesländer.
Die Trommelschläge könnten von unserem eigenen Schiffsdiesel ausgehen, aber das Handysignal war wirklich abgerissen. (Unser expeditionserfahrener Schiffsführer: „Das ist mir selbst in Lappland noch nicht passiert“)
Wir lesen in „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann über die Expeditionen des Alexander von Humboldt. Da mag die Phantasie mit uns durchgegangen sein.
Fasziniert haben uns die dort beschriebenen heroischen Selbstversuche Humboldts – etwa mit Elektrizität und mit Giften.
Der heroische Selbstversuch spielt in der Tradition der Naturwissenschaften, besonders aber in der Medizin traditionell eine große Rolle.
Das Gefühl, den Gegenstand der Forschung am eigenen Leib erfahren zu müssen, war den Forschern des 17., 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts noch näher. Die Trennung von Subjekt und Objekt war weniger scharf. Auch die Medizin des 19. Jahrhunderts war noch deutlich näher an den Phänomenen.
Wenn wir die großartigen toxikologischen Beschreibungen von damals lesen, etwa die detaillierte Beschreibung der Bleilähmungen bei Lewin und diese mit modernen Abhandlungen vergleichen, dann können wir deutlich sehen, dass etwas verloren gegangen ist.
Heute steht da lapidar: „periphere neurologische Störungen“ – die spezifische Radialislähmung mit der Fallhand interessiert eigentlich nur noch aus historischen Gründen.
Constantin Hering schreibt in „Amerikanische Arzneiprüfungen“:
„Der Beweis für die Möglichkeit eines scharfen und eigentlichen Charakterbildes bei jedem gegebenen Stoffe, gerade so wie der Mineralog eine Gebirgsart, der Botaniker eine Pflanze, der Zoolog ein Thier beschreibt, ist schon gegeben durch die auffallende Thatsache, dass dergleichen Charakterbilder immer entstehen, sobald nur die Versuchreihen angestellt werden. Der Beweis für die Wahrheit solcher Bilder ist auch schon gegeben durch die Thatsache, dass durch Zeit und Raum weit getrennte Beobachter alle darin übereinstimmen, obschon sie nichts von einander wussten. Und endlich dadurch, dass jeder geprüfte Stoff immer ein wesentlich Anderes gibt, jedes Bild seine Identität behauptend.“
Für die Homöopathie spielen Selbstversuche in Form der Arzneimittelprüfungen eine große Rolle.
Wiederum Constantin Hering, einer der Gründerväter der Homöopathie in Amerika, in „Amerikanische Arzneiprüfungen“
„Versuche mit wirksamen Stoffen an Gesunden können wir nie zu viel haben. Mögen unsere Ansichten darüber sein wie sie wollen, die Vernünftigen müssen darin übereinkommen, dass die Frage, "ob etwas wirke," nur durch den Versuch beantwortet werden kann, und "was es wirke", nur durch Versuchreihen.“
Dabei waren solche Selbstversuche auch nie ganze ohne Risiken. Herings Experimente mit Schlangengiften sollen bleibende Schäden hinterlassen haben.
Auch einige bei Hahnemann beschriebene Selbstversuche sind nicht ohne einen gewissen Heroismus. Auf der anderen Seite haben diese Selbstversuche mit homöopathischen Arzneimitteln einen unschätzbaren Lerneffekt auf homöopathische Ärzte. Nur was man am eigenen Leib erlebt hat, kennt man wirklich gut. Auch scheint es so, dass sie bei gehöriger Vorsicht und (von seltenen Einzelfällen abgesehen) die Gesundheit eher stärken, so wie in der Regel auch durchgemachte Infekte die Gesundheit eher stärken.
Heute ist da Alles verboten. Das geltende Arzneimittelgesetz schreibt vor, dass zunächst einmal eine Ethikkommission gehört werden muss, außerdem müssen verschiedene weitere bürokratische und rechtliche Hürden genommen werden.
Aber wie sagt doch das Merkblatt für Gemeinden zur Gestaltung von Spielplätzen (nach DIN EN 1176 Bbl 1:2003-06): „Als überschaubare kalkulierbare Restrisiken werden Verletzungen in Kauf genommen, wie sie auch im Sport (Freizeitsport und Schulsport) eintreten können. Die Risiken des Lebens müssen von Kindern erlebbar, erlernbar und damit beherrschbar sein. Spiel mit Risiko ist somit lebensnotwendig.“
Könnte das nicht das Gleiche auch für mündige erwachsene Mediziner gelten, was die kluge DIN EN 1176 Bbl 1:2003-06 hier für Kinder zulässt?
Unsere Selbstversuche bewegen sich in bescheidenerem Rahmen: Die Beschwerden durch den Muskelfaserriss haben sich deutlich gebessert, nachdem auf ärztlichen Rat – aber gegen innere Überzeugung – Arnica eingenommen wurde.
Bei Kanalkilometer 312 ist der Mittellandkanal gesperrt, wir liegen für Stunden fest. Um 19:00 machen wir schließlich etwas oberhalb von Magdeburg fest.
Mittwoch, 7 Oktober
 | | Pressekonferenz im Hafen Magdeburg mit Prof. Weiß (Uni Magdeburg), Kösters (DZVhÄ), Prof. Oswalt (IBA), Dr. Daehre (Minister des Landes Sachsen-Anhalt), Zander (Oberbürgermeister Stadt Köthen) | Die letzte Etappe unserer Reise ist nur wenige hundert Meter lang. Doch bevor es ein letztes mal „Leinen los!“ heißt, muss klar Schiff gemacht werden. Wir erwarten Gäste, mit denen wir zusammen in den Magdeburger Hansehafen zum Entladen des Schiffes fahren. Auch haben wir Journalisten für 11 Uhr zu unserer Pressekonferenz eingeladen, bei der der Minister für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Daehre,. Professor Oswalt, IBA Geschäftsführer, Professor Weiß, Prorektor Universität Magdeburg, Herr Zander, Oberbürgermeister der Stadt Köthen und der 1. Vorsitzende des DZVhÄ, Curt Kösters sprechen. Viele sind gekommen, das Interesse an der Europäischen Bibliothek für Homöopathie, an dem IBA Thema Homöopathie als Entwicklungskraft ist groß. Die Deutsche Presseagentur, Deutschlandradio, Mitteldeutsche Zeitung, vier Hörfunk- und Fernsehredaktionen des Mitteldeutschen Rundfunks und viele andere berichten.
Die Bücherkisten sind umgeladen und werden nach Köthen transportiert. Bis Freitag sind die Bücher in die Regale der neuen Bibliothek einsortiert. Die feierliche Eröffnung findet dann um 19 Uhr statt.
PS zur Kösters-Studie: Mittlerweile erhalten wir per Mail Therapievorschläge von besorgten Ärzten.
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